Knicks im Wandel der letzten 50 Jahre

Die Pflanzenvielfalt in schleswig-holsteinischen Wallhecken, oder „Knicks“, ist im Vergleich zu den 1960er Jahren stark zurückgegangen. Dieser Rückgang kann auf ein Zusammenspiel aus Überdüngung und einem Wandel in der Knickpflege zurückgeführt werden.

Grundlage für die Studie war eine sehr umfangreiche Beschreibung der Vegetation der Knicks in Schleswig-Holstein von Heinrich E. Weber aus dem Jahr 1967. Die damals untersuchten Orte wurden erneut aufgesucht und die Vegetation von damals und heute direkt verglichen. Solche zeitlichen Vergleiche sind ein wertvolles Mittel, um die Veränderungen in unserer Landschaft dokumentieren zu können. Der Unterschied zwischen den Pflanzengemeinschaften von früher und heute war teilweise so stark, dass die Artenzusammensetzung von früher an der gleichen Stelle heute kaum noch erkennen war. Sehr auffällig ist die Verschiebung hin zu Pflanzenarten, die unter nährstoffreichen Bedingungen sehr gut wachsen können und dabei häufig andere Arten verdrängen. Dies wird auch in anderen Lebensräumen immer mehr beobachtet und ist bei Knicks besonders ausgeprägt, da diese in der Regel direkt an Ackerland grenzen und somit starkem Düngemitteleintrag ausgesetzt sind. Dies führte bei den untersuchten Knicks zu einem Verlust von seltenen Arten und damit zu einer fortschreitenden Verarmung der Landschaft.

Die Art der Knickpflege hat sich in den letzten Jahrzehnten ebenfalls gewandelt. Die für Knicks typischen Wälle sind niedriger und gleichzeitig breiter geworden, da das Bodenmaterial mit den Jahren zur Seite hin abrutscht, wenn die Wälle nicht mehr regelmäßig aufgesetzt werden. Außerdem wachsen die Knicksträucher heute generell höher als früher, vermutlich weil mit dem Auf-den-Stock-setzen länger gewartet wird, da man nicht mehr auf das Holz als Brennmaterial angewiesen ist.

Schleswig-Holstein ist eines der waldärmsten Bundesländer und Knicks bieten durch ihre waldähnlichen Bedingungen für viele Pflanzen und Tiere einen wichtigen Lebensraum in dieser Region. Da sie unsere Agrarlandschaft außerdem wie ein dichtes Netz durchziehen, erhöhen sie zusätzlich die Verbindung von sonst isolierten Lebensräumen.

Litza, K. & Diekmann, M. (2017). Resurveying hedgerows in Northern Germany: Plant community shifts over the past 50 years. Biological Conservation, 206: 226-235.